Wirksamkeit von Feedback
Feedback ist spätestens seit der Hattie-Studie „Visible Learning“ von 2008 ein viel beachtetes Thema, denn diese belegt, dass Feedback ein wichtiger Faktor für guten Unterricht ist. Im Jahr 2023 wurde in der Studie „Visible Learning: The Sequel“ (dt. Übersetzung unter dem Titel „Visible Learning 2.0“ 2024 erschienen) die Bedeutsamkeit von Feedback erneut hervorgehoben und weiter ausdifferenziert.
Folgende Punkte sind nach Hattie zentral für lernwirksames Feedback:
- Qualität ist wichtiger als Quantität
Nicht jedes Feedback ist hilfreich. Entscheidend ist, dass es klar, spezifisch und umsetzbar ist. Schülerinnen und Schüler sollten verstehen, was sie verbessern können und wie sie diese Verbesserungen erreichen können. - Feedback muss wahrgenommen und verarbeitet werden
Die bloße Bereitstellung von Feedback reicht nicht aus. Lernende müssen es aufnehmen, verstehen und in ihr Lernen integrieren. Lehrkräfte sollten überprüfen, ob ihr Feedback tatsächlich ankommt und umgesetzt wird. - Drei Ebenen des Feedbacks
Hattie differenziert drei wirksame Feedback-Ebenen:
- Aufgabenebene: Korrektheit und Verbesserung von Inhalten.
- Prozessebene: Strategien zur Lösung und Verbesserung.
- Selbstregulationsebene: Förderung der Eigenständigkeit im Lernen. Feedback auf der Selbstregulationsebene ist nach Hattie besonders effektiv (vgl. selbstregulierte Lernarrangements wie Deeper Learning)
- Der Zeitpunkt
Feedback sollte möglichst zeitnah erfolgen, damit Schülerinnen und Schüler es direkt anwenden können. Zu spätes Feedback verliert an Wirksamkeit. - Positive Fehlerkultur
Fehler sind ein wichtiger Teil des Lernprozesses. Lehrkräfte sollten eine sichere Umgebung schaffen, in der Lernende Fehler als Lernchance begreifen und Feedback von allen Beteiligten annehmen können. - Pädagogische Beziehungen
Effektives Feedback erfordert eine vertrauensvolle und wertschätzende Lehrenden-Lernenden-Beziehung (vgl. Reckahner Reflexionen (Externer Link). Schülerinnen und Schüler müssen sich sicher fühlen, um Rückmeldungen annehmen und umsetzen zu können.
Feedback ist eine sehr wirksame Maßnahme zur Steigerung des Lernerfolgs – aber nur, wenn es gezielt, prozessorientiert und fördernd ist. Der Fokus sollte darauf liegen, Schülerinnen und Schüler in ihrer Selbstregulation zu stärken, statt nur Fehler zu korrigieren.
Arten von Feedback und Gelingensbedingungen
Grundsätzlich werden zwei Arten von Feedback unterschieden. Formatives Feedback während des Lernprozesses (individuelle Peer- und Lehrkraft-Rückmeldungen zur Verbesserung des Lernprozesses statt Leistungsbewertung) und summatives Feedback am Ende eines Lernabschnitts (abschließende Bewertung der Leistung).
Weiterhin kann schulisches Feedback nach Sendern und Empfängern kategorisiert werden.
- Feedback von Schülerinnen und Schülern an Lehrkräfte
- Peer-Feedback von Schülerinnen und Schülern
- Feedback von Lehrkräften an Schülerinnen und Schüler
Allen Formen von Feedback gemeinsam ist der Dialogcharakter. Feedback ist keine einseitige Mitteilung, sondern ein kommunikativer, wechselseitiger Austausch. Effektives Feedback entsteht durch einen dialogischen Prozess, in dem beide Seiten aktiv beteiligt sind.
Im Hinblick auf die Demokratiebildung ergeben sich folgende spezifische Chancen einer qualitätsvollen Feedbackkultur:
- Sie bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, an der inhaltlichen und methodischen Gestaltung des Unterrichts mitzuwirken.
- Die Lernenden erleben sich als selbstwirksam, wenn Feedback zu konkreten Verbesserungen des Unterrichts und/oder ihres Lernens führt. Dabei können auch diejenigen partizipieren, die sich sonst eher zurückhalten.
- Dialogische Prozesse bei der Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern in die Leistungsbewertung verbessern ihre Selbsteinschätzung, fördern Perspektivwechsel und einen konstruktiven Umgang mit Kritik.
- Die gemeinsame Suche nach Wegen, um Verbesserungen zu erreichen, sollte demokratischen Aushandlungs- und Entscheidungsprozessen innewohnen und kann durch eine qualitätsvolle Feedbackkultur gespiegelt werden
Wichtig für eine gute Feedbackkultur im Unterricht sind insbesondere folgende Punkte:
- Die Bereitschaft, das Feedback des Gegenübers ernst zu nehmen. Im Falle der Lehrkraft bedeutet dies z. B. daraus Konsequenzen für den Unterricht abzuleiten und umzusetzen.
- Die gemeinsame Besprechung von Feedbackregeln.
- Die regelmäßige Anwendung von Feedbackmethoden. Wenn ein Feedback im Unterricht nur vereinzelt angewendet wird, führt dies eher dazu, dass die Methode nicht ausreichend eingeübt wird. Ferner können die genannten positiven Auswirkungen einer guten Feedbackkultur nicht umfänglich zum Tragen kommen.
Feedbackregeln
REGELN ZUM FEEDBACK-GEBEN
- Wertschätzung zeigen
- konstruktiv bleiben, keine persönliche Kritik, sondern sachbezogene Rückmdeldung
- Bezug nehmen auf konkrete Situation, nicht verallgemeinern
- Erst Positives aufgreifen, dann Verbesserungspotenziale benennen
- Wünsche äußern, keine Vorwürfe
REGELN ZUR FEEDBACK-ANNAHME
- aufmerksam zuhören
- keine Rechtfertigung
- ggf. Verständnisfragen stellenDanken für das Lernangebot
Methoden und Feedbackinstrumente für den Einsatz im Unterricht
Die Möglichkeiten, Feedback im Unterricht einzusetzen, sind vielfältig und reichen von visuellen Rückmeldungen (wie der Ampel-Methode s. u.) bis hin zu umfangreichen Auswertungen von Unterrichtseinheiten und -reihen.
Feedback von Schülerinnen und Schülern
Feedback an Lehrkräfte
Wenn Schülerinnen und Schüler im Unterricht selbst die Gelegenheit erhalten, der Lehrkraft ein Feedback zu geben, bedeutet dies eine wichtige Selbstwirksamkeitserfahrung für die Lernenden. Das Feedback kann sich sowohl auf die methodische als auch die inhaltliche Gestaltung des Unterrichts beziehen.
Wenn eine Lehrkraft Feedback von Ihren Schülerinnen und Schülern zur Unterrichtsgestaltung einholen möchte, dann kann folgende Orientierung helfen:
- Formulieren Sie Aspekte, zu denen Sie eine Rückmeldung erhalten möchten, klar, offen und zielgerichtet.
- Gute Feedbackformate decken dabei Aspekte der Didaktik, Methoden, Inhalte sowie Atmosphäre und Unterstützung ab.
Beispielfragen
- Wie klar und verständlich sind die Erklärungen im Unterricht?
- Welche Unterrichtsmethoden helfen dir am meisten beim Lernen?
- Gibt es genügend Möglichkeiten, aktiv mitzuarbeiten?
- Fühlst du dich im Unterricht wohl und ermutigt, Fragen zu stellen?
- Was hilft dir, motiviert zu bleiben? Was könnte verbessert werden?
- Gibt es genug Abwechslung im Unterricht (z. B. Gruppenarbeiten, Diskussionen, praktische Aufgaben)?
- Ist das Lerntempo für dich angemessen? Sollten wir langsamer oder schneller arbeiten?
- Fühlst du dich ausreichend gefordert, aber nicht überfordert?
- Gibt es genügend Wiederholungen und Übungsphasen?
- Bekommst du hilfreiches Feedback zu deinen Leistungen?
- Weißt du nach dem Feedback, was du verbessern kannst?
- Welche Art von Unterstützung hilft dir am meisten, wenn du Schwierigkeiten hast?
- Fühlst du dich im Unterricht ernst genommen und in Entscheidungen einbezogen?
- Gibt es genug Gelegenheiten, eigene Ideen oder Fragen einzubringen?
- Würdest du dir mehr Selbstständigkeit oder Wahlmöglichkeiten wünschen?
Peer-Feedback
Schülerinnen und Schüler können sich auch untereinander ein Feedback geben. Für dieses Peer-Feedback bieten sich u. a. Bewertungsbögen mit festgelegten Kompetenzen oder Inhalten an. Eine weitere Form könnte ein Feedbackgespräch anhand vorher festgelegter Kategorien sein.
Ausgewählte Methoden für eine partizipative Feedbackkultur
Ampel: Die Schülerinnen und Schüler drücken mit Hilfe grüner, gelber und roter Karten ihre Zustimmung oder Ablehnung zu einer Aussage aus. Die Methode vermittelt einen schnellen Überblick über die Stimmungslage in der Lerngruppe.
https://www.methodenkartei.uni-oldenburg.de/methode/ampelfeedback/ (Externer Link)
Blitzlicht: Das Blitzlicht bezieht sich auf eine konkrete Frage, zu der sich alle Beteiligten nacheinander in einem kurzen Statement äußern.
http://methodenpool.uni-koeln.de/download/blitzlicht.pdf (Externer Link auf PDF)
- Der folgende Link bietet eine Übersicht zu den Methoden
- Evaluations-Zielscheibe (Gruppenwahrnehmungen sichtbar machen)
- Fadenkreuz (Gruppenwahrnehmung zwischen zwei Extrempunkten sichtbar machen)
- Feedback im Vierer-Feld (Gruppenwahrnehmung in zwei Dimensionen sichtbar machen)
- Feedback im Koordinatensystem (Gruppenwahrnehmung in zwei Dimensionen sichtbar machen)
- Ein-Punkt-Methode (flexibel Befindlichkeiten und Lernprozesse sichtbar machen)
https://edkimo.com/de/feedback-instrumente-papier-tafel/ (Externer Link)
Das Evaluations- und Feedback-Tool Edkimo steht Schulen in NRW unter folgendem Link kostenlos zur Verfügung: Kooperation zwischen QUA-LiS NRW und Edkimo | edkimo (Externer Link)
- SEfU: Hierbei handelt es sich um eine digitale Plattform, über die digitale Fragebögen erstellt werden können. Die Plattform wurde von der Universität Jena entwickelt und richtet sich gezielt an Lehrkräfte. www.sefu-online.de (Externer Link)
Kompetenzraster: Gemeinsam erarbeiten Lehrkraft und Lernende zu Beginn einer Unterrichtsreihe ein Kompetenzraster, in dem Lernziele und Lerninhalte festgehalten werden. Im Idealfall werden für verschiedene Lern- und Inhaltsbereiche unterschiedliche Anspruchsniveaus angegeben. Die Schülerinnen und Schüler füllen dieses Kompetenzraster zur Selbsteinschätzung im Vorfeld eines Gesprächs zur Leistungsbewertung aus. Diese werden dann in dem Gespräch wieder aufgegriffen und münden in einer gemeinsamen Zielvereinbarung
https://www.schulentwicklung.nrw.de/q/ganztag/lernzeiten-in-der-sekundarstufei/verknuepfung-mit-dem-unterricht/kompetenzraster/index.html (Externer Link)
Lerntagebücher / Portfolios: Schülerinnen und Schüler dokumentieren und kommentieren ihren eigenen Lernfortschritt in einem Portfolio oder Lerntagebuch. Diese Einträge sind Grundlage in einem Gespräch mit der Lehrkraft zur Leistungsbewertung.
- Skalierung: Skalierungsmethoden unterstützen Lernende dabei, ihren Fortschritt sichtbar zu machen, Lernziele zu setzen und ihren Lernprozess aktiv mitzugestalten. So kann die Skalierung von Lernfortschritten auf einer Skala (z. B. 1-10) mit konkreten Maßnahmen verbunden werden, um die nächste Stufe zu erreichen. Ein Beispiel: Die Aussage „Ich kann meine Hausaufgaben zügig bearbeiten.“ wird von einer Schülerin mit 6 bewertet. Eine Vereinbarung zum weiteren Lernprozess kann von der Frage „Was kann dir helfen, um die nächste Stufe 7 zu erreichen?“ ausgehen.
Feedback von Lehrkräften
Auch das Feedback von Lehrkräften an Schülerinnen und Schüler leistet einen Beitrag zur Demokratiebildung. Feedback regt die Schülerinnen und Schüler an, ihre eigenen Leistungen zu reflektieren und zu verbessern. Dies schult ihre Fähigkeit, konstruktive Kritik anzunehmen und selbstkritisch zu handeln – wichtige Fähigkeiten in einer demokratischen Gesellschaft. Zudem ist gutes Feedback ein Beispiel für einen respektvollen Austausch, bei dem Argumente und sachliche Rückmeldungen im Vordergrund stehen. Dies hilft den Schülerinnen und Schülern, konstruktive Dialoge zu führen, was in demokratischen Prozessen zentral ist.
Ein Feedback von Lehrkräften an Schülerinnen und Schüler besteht oft aus kurzen mündlichen und schriftlichen Rückmeldungen. Darüber hinaus bieten sich u. a. folgende Methoden an:
Ausgewählte Methoden für eine partizipative Feedbackkultur
- Feedback-Gespräche: Einzel- oder Gruppengespräche zur Besprechung von Lernfortschritten und Herausforderungen. https://edkimo.com/de/leitfaden-feedback-gespraech/ (Externer Link)
Das Evaluations- und Feedback-Tool Edkimo steht Schulen in NRW unter folgendem Link kostenlos zur Verfügung:Kooperation zwischen QUA-LiS NRW und Edkimo | edkimo (Externer Link)
- Selbstreflexion anleiten: Fragen oder Checklisten zur Selbsteinschätzung bereitstellen, um die Selbstwahrnehmung der Lernenden zu fördern.
- Lernjournale: Schülerinnen und Schüler führen ein Journal, das von der Lehrkraft regelmäßig kommentiert wird. Es kann sinnvoll sein, zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Teilen des Lernjournals zu unterscheiden :: Tagebuchmethode Darstellung (Externer Link)
- Digitales Feedback: Eine Rückmeldung muss nicht immer in einem persönlichen Kontakt stattfinden. Denkbar ist auch die Nutzung digitaler Lernplattformen, über die Schülerinnen und Schüler eine individuelle oder standardisierte Rückmeldung erhalten. Ebenfalls sind kleine individuelle Audiobeiträge denkbar.
LOGINEO NRW LMS (Externer Link) steht Schulen in Nordrhein-Westfalen kostenlos zur Verfügung. Über die Aktivitäten „Abstimmung“, „Feedback“, „Gegenseitige Beurteilung“ und „Umfrage“ können innerhalb von Kursen Feedback-Elemente eingebunden werden.