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Schülerinnen und Schüler klatschen mit den Händen ab

Der Klassenrat als Lernraum für Demokratiekompetenzen

Der Klassenrat fördert eine Reihe von sozialen und Demokratie-Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern, die sie auf ihre Rolle als mündige Bürgerin oder mündiger Bürger vorbereiten: So lernen sie in einem strukturierten Rahmen respektvoll miteinander umzugehen und Kritik, Anregungen und Wünsche konstruktiv zu äußern (Kommunikation). Auf diese Weise fördert der Klassenrat die Partizipationsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler und bereitet sie auf die Übernahme von Verantwortung auf der Ebene der Klassengemeinschaft, der Schulgemeinschaft und schließlich in der Gesellschaft vor. Bei der gemeinsamen Suche nach und dem Aushandeln von Lösungen erleben sie sich als selbstwirksam und achten dadurch stärker auf die verbindliche Einhaltung der eigenen Beschlüsse. Bedeutsam ist darüber hinaus die Behandlung ‚echter‘ Themen, die von den Schülerinnen und Schülern selbst eingebracht werden und reale Konsequenzen für die Klassengemeinschaft haben. Davon profitiert das Schulklima, da Demokratie als Gesellschaftsform konkret greifbar wird und Werte wie Anerkennung, Gleichheit oder Wertschätzung gelebt und erlebt werden. Der Klassenrat kann ein wichtiges Element einer partizipativen Schulkultur sein und dazu beitragen, die Artikel 12 und 13 der UN-Kinderrechtskonvention umzusetzen.

Die größte Wirksamkeit entfaltet dieses Instrument der Demokratiebildung, wenn er für alle Lernenden klassen- und jahrgangsübergreifend eingeführt und regelmäßig im Stundenplan verankert durchgeführt wird. Denn u.a. wählt der Klassenrat Klassenvertretungen, die dann in der Schülervertretung (SV) und weiteren Kontexten der Schülerinnen- und Schülermitbestimmung die Anliegen der Klasse anbringen können. 

Grundlegende Hinweise für Lehrkräfte

1. Die Verantwortung und Aktivität liegt bei den Schülerinnen und Schülern: Ihnen soll der Raum gegeben werden, ihre Meinungen und Ideen auszusprechen und zu entfalten. Dabei sollte die Lehrkraft aktiv zuhören und die Beiträge ernst nehmen. Als Orientierung für die eigene Rolle als Lehrkraft gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich, damit die Aktivität und Verantwortung auf den Schultern der Schülerinnen und Schülern liegt. Sie lernen, dass der Klassenrat von ihnen gestaltet und moderiert werden muss. Erwartungen an die Lehrperson sollten auf diese Weise gar nicht erst formuliert werden. In der Phase der Einführung (insbesondere in den unteren Jahrgangsstufen) unterstützt die Lehrkraft noch mehr, sollte sich jedoch im Laufe der Zeit zunehmend zurücknehmen. Ihre Wertschätzung zeigt sich darin, den Schülerinnen und Schülern das Heft des Handelns zu übergeben und ihnen in diesem Rahmen auf Augenhöhe zu begegnen (Haltung).

2. Atmosphäre des Vertrauens schaffen: Eine wichtige Gelingensbedingung für die erfolgreiche Durchführung eines Klassenrats ist eine vertrauensvolle, offene und unterstützende Umgebung, in der sich die Schülerinnen und Schüler wohlfühlen. Nur in einem angstfreien Raum, in dem nicht “Gericht” gehalten wird, sondern dazu ermutigt wird, selbstständig Lösungen zu erarbeiten, kann eine solche Atmosphäre entstehen. Es sollte darauf geachtet werden, nicht zu urteilen oder zu kritisieren. Stattdessen können Fragen formuliert werden: „Was brauchst du?“ oder „Wie können wir dich unterstützen?“ Das gilt sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrperson.

3. Kommunikation: Eine offene und respektvolle Kommunikation ist notwendig, um die Schülerinnen und Schüler zu motivieren und ihre sozialen Kompetenzen zu fördern. Wichtig ist hierbei, dass der Klassenrat nicht den Charakter einer Gerichtsverhandlung hat und mit Ich- statt Du-Botschaften kommuniziert wird.

4. Klare Struktur: Es sollte sichergestellt werden, dass die Schülerinnen und Schüler eine klare Tagesordnung für den Klassenrat haben. Dies hilft, die Diskussion zu fokussieren und alle gesetzten Themen angemessen bearbeiten zu können.

5. Rollenverteilung: Die Schülerinnen und Schüler übernehmen verschiedene Rollen, wie z. B. Moderation, Protokollführung oder Zeitwache. Dies fördert Verantwortungsbewusstsein und Engagement.

6. Regeln festlegen: Mit den Schülerinnen und Schülern sollte ein Gesprächs- und Handlungsleitfäden für den Klassenrat entwickelt werden, um einen respektvollen und konstruktiven Austausch zu gewährleisten. 

7. Vorbereitung: Zur Vorbereitung kann es helfen, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken und Anliegen vorab formulieren, bevor sie sie vortragen. Hierbei brauchen sie je nach Alter und Schulform ggf. Unterstützung. Aus Sorge, sich nicht gut ausdrücken zu können, darf nicht auf die Äußerung verzichtet werden. 

8. Feedback geben: Nach dem Klassenrat sollte ein kriteriengeleitetes Peer-Feedback erfolgen. Auch die Lehrkraft kann den Schülerinnen und Schülern Feedback geben, um ihre Fähigkeiten in der Moderation und Diskussion zu verbessern.

9. Ressourcen bereitstellen: Materialien oder Vorlagen sollten zur Verfügung stehen, die den Schülerinnen und Schülern helfen, ihre Themen zu organisieren und zu präsentieren.

10. Nachhaltigkeit: Die Schülerinnen und Schüler sollen daran erinnert werden, die besprochenen Punkte nach dem Klassenrat zu verfolgen, um sicherzustellen, dass Maßnahmen umgesetzt werden, sinnstiftende Reflexion möglich ist und echte Lösungen gefunden werden. Die Selbstwirksamkeit hängt entscheidend davon ab, ob die Schülerinnen und Schüler die Früchte ihrer Arbeit sehen und erfahren können. 

Eine Anleitung zur Durchführung des Klassenrats finden Sie unter folgendem Link:

https://www.klassenrat.org/ueberblick/

Dort finden Sie weiterhin Informationen zu folgenden Aspekten:

  • Werte- und Demokratiebildung im Klassenrat
  • Ziele und Kompetenzen im Klassenrat
  • Merkmale und Organisation des Klassenrats
  • Inhalte und Weiterentwicklung des Klassenrats

Ergänzend bietet der folgende Link eine Referenzkarte sowie weiteres Material zum Klassenrat:

https://www.schulentwicklung.nrw.de/q/upload/Inklusion/2019neu/LEP_CM_07_-_Referenzkarte_Festlegung_von_Schlerverantwortlichkeiten.pdf

Reflexionsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, um einen effektiven Klassenrat durchzuführen

1. Agenda-Setting: Schülerinnen und Schüler können sich vorab Fragen zu Themen stellen, die sie in ihrer Lebenswelt als relevant erachten und in den Klassenrat auf die Agenda (Tagesordnung) setzen können. Zwischen den Terminen kann jede Schülerin und jeder Schüler z. B. fortlaufend Vorschläge an einer Tafel oder auf einem Plakat notieren. Auf diese Weise herrscht Transparenz hinsichtlich der Agenda.

2. Zielsetzung: Schülerinnen und Schüler können sich individuelle oder gemeinsame Ziele setzen, die sie im nächsten Klassenrat erreichen möchten. Dies fördert Verantwortungsübernahme und Engagement.

3. Protokollführung: Das Führen eines Protokolls hilft, die besprochenen Themen und Entscheidungen festzuhalten. Schüler können später darauf zurückblicken und reflektieren, ob die Ziele erreicht wurden. Es unterstützt sowohl die Nachhaltigkeit als auch die Verbindlichkeit.

4. Selbstreflexion: Schülerinnen und Schüler können darüber nachdenken, wie sie sich während des Klassenrats verhalten haben. Fragen wie „Habe ich aktiv zugehört?“ oder „Habe ich meine Meinung klar und respektvoll geäußert?“ können hilfreich sein.

5. Feedback-Runden: Im Anschluss an den Klassenrat sollte ein kurzes Feedback (z.B. in Form einer Blitzlichtrunde) erfolgen, in der die gesamte Klasse den Ablauf reflektieren und Feedback geben kann. Dies kann im Plenum oder in Gruppen erfolgen. Mögliche Impulse könnten sein: „Was hat mehr Zeit als erwartet gekostet?“ „Haben sich alle an die gemeinsam vereinbarten Regeln gehalten?“ „Sind wir mit dem Erreichten zufrieden?“ „Was habe ich heute gelernt?“ oder „Wie kann ich zur Verbesserung der Klassengemeinschaft beitragen?“

Bezüge zum Referenzrahmen Schulqualität NRW

Der Klassenrat ist ein wichtiges Instrument zur Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern . Er dient dazu, die Mitbestimmung und das Verantwortungsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Die Bezüge zum Referenzrahmen Schulqualität NRW werden im Folgenden aufgezeigt:

1. Partizipation: Der Klassenrat ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, aktiv an der Gestaltung des Klassengemeinschaft teilzunehmen und ihre Meinungen und Anliegen einzubringen. (3.1 Werte und Normenreflexion: 3.1.2 A1 Die Schule erarbeitet, wo rechtliche Spielräume es zulassen, verbindliche Verhaltens- und Verfahrensregeln für alle Beteiligten in einem partizipativen Prozess. A6 Die Schule sorgt in angemessener und nachvollziehbarer Weise dafür, dass Vereinbarungen von allen Beteiligten eingehalten werden.)

2. Kommunikation: Der Klassenrat fördert die Kommunikationsfähigkeiten der Schülerinnen und Schülern, indem er ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Gedanken und Gefühle in einem respektvollen Rahmen auszudrücken. (3.2 Kultur des Umgangs miteinander 3.2.1 A2 Alle an Schule Beteiligten achten einander und arbeiten vertrauensvoll unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Perspektiven zusammen.)

3. Konfliktlösung: Durch den Klassenrat lernen die Schülerinnen und Schüler, Konflikte gemeinsam zu besprechen und Lösungen zu finden, wodurch ihre sozialen Kompetenzen gestärkt werden. (3.3: Demokratische Gestaltung. 3.3.1 A3 Verfahren der Konsensbildung und des Umgangs mit Dissens werden erarbeitet und umgesetzt.)

4. Verantwortung: Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für das Klassenklima und die Gemeinschaft, indem sie gemeinsam Entscheidungen treffen und Maßnahmen ergreifen. (3.3: Demokratische Gestaltung. 3.3.1 A6 Die Schule ermöglicht Demokratielernen, indem die Schülerinnen und Schüler – auch mit Blick auf eine unter verschiedenen Gesichtspunkten heterogene Schülerschaft – reale Verantwortung in unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Kontexten übernehmen.)

5. Reflexion: Der Klassenrat bietet Raum für Reflexion über das eigene Verhalten und das der Mitschülerinnen und Mitschüler, was zur persönlichen Entwicklung beiträgt (3.1 Werte und Normenreflexion: 3.1.1 A1: In der Schule werden Werte und Normen, Grundannahmen und Überzeugungen, Menschenbilder sowie Denk- und Handlungsweisen in vielfältigen Zusammenhängen reflektiert. A5 Über Regeln, Normen sowie explizite und implizite Wertentscheidungen wird im Schulleben, im Unterricht, in Projekten und in außerunterrichtlichen Handlungszusammenhängen reflektiert.)

Diese Aspekte tragen dazu bei, ein positives Klassenklima zu schaffen und die Gemeinschaft innerhalb der Klasse zu stärken. Es ist dabei wichtig, dass Lehrerinnen und Lehrer den Klassenrat als einen gewinnbringenden Bestandteil des Unterrichts- und der Schulentwicklung betrachten.