Fachvortrag
„Mehrsprachigkeit wertschätzen, Bildungssprache ermöglichen – Impulse für einen nachhaltigen Schulentwicklungsprozess“
Jun.-Prof.’in Dr. Simone Plöger (Universität Mainz)
Mehrsprachigkeit ist in deutschen Klassenzimmern längst Realität – und doch bleibt ihr Potenzial im schulischen Alltag häufig ungenutzt. Statt als Ressource wird sie oft als Herausforderung wahrgenommen. Aufbauend auf gängigen Mythen rund um Mehrsprachigkeit wurden im Vortrag anhand aktueller Forschung und Praxisbeispielen drei zentrale Handlungsfelder vorgestellt, um Mehrsprachigkeit & Bildungssprache im Unterricht und in der Schule nachhaltig zu verankern: Vorurteile abbauen, sprachliche Vielfalt wertschätzen, Mehrsprachigkeit und Bildungssprache gezielt einbeziehen und verbinden – sowohl im Fachunterricht als auch im Rahmen schulischer Entwicklungsprozesse.
Präsentation zum Vortrag (PDF, 1,5 MB)
Workshops
1 Praxis meets Wissenschaft
Jun.-Prof.’in Dr. Simone Plöger (Universität Mainz)
In diesem Workshop bestand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, bestimmte inhaltliche Aspekte der Keynote aufzugreifen und im Gespräch mit der Referentin zu vertiefen. Gleichzeitig wurde auch der Raum gegeben, sich mit Fragen, die sich aus der alltäglichen Praxis ergeben, an die Vertreterin aus der Wissenschaft zu wenden. Ziel war es vor allem, miteinander ins Gespräch zu kommen, die jeweilige Situation zu beschreiben, voneinander zu lernen und zusammen über die weitere Stärkung von Mehrsprachigkeit in der Schule zu diskutieren.
2 Challenge accepted! – Mehrsprachigkeit erkunden
Anke Engel (Kommission Interkulturelle Bildung, QUA-LiS NRW)
Das aktuell durch die QUA-LiS NRW entwickelte Material bietet kleine und motivierende Anlässe in Form von Challenges, um erste Elemente von Mehrsprachigkeit in den eigenen Unterricht einzubinden. Hierbei handelt es sich um ein Materialpaket bestehend aus einem Aufsteller für den Klassenraum, einem Poster sowie Arbeitsblättern und Informationen für die Lehrkräfte. In diesem Workshop probierten die Teilnehmenden einzelne dieser Angebote aus und diskutierten die konkrete Umsetzung im Unterricht, bzw. in ihrer Schule. Es wurde anhand konkreter Beispiele gezeigt, wie sprachliches Wissen von Schülerinnen und Schülern im Unterricht wertgeschätzt und zur Schulung des metasprachlichen Bewusstseins und zur Förderung der Entwicklung von Lern- und Kommunikationsstrategien eingebunden werden kann.
Materialien folgen in Kürze
3 Mulingula - Lebensweltliche Mehrsprachigkeit im Grundschulunterricht
Christiane Wengmann, Petr Frantik (LaSI NRW)
An den Grundschulen in NRW ist lebensweltliche Mehrsprachigkeit der Normalfall. Lehrende haben hierzu in der Regel eine positive Haltung, die Mehrzahl von ihnen hat jedoch keine Vorstellung davon, wie eine Einbindung in den Unterricht realisiert werden kann.
Mulingula-Praxis zeigt den Lehrkräften, wie sich lebensweltliche Mehrsprachigkeit, z.B. im Kontext der Leseförderung, identitätsstiftend, spracherwerbsunterstützend und lernmotivierend in den Regelunterricht integrieren lässt.
Präsentation zum Workshop (PDF, 2,6 MB)
4 Vom WORT zum SATZ zum TEXT: Sprachsensible Schulentwicklung
Dr. Petra Heinrichs (BR Köln, BiSS-Akademie)
Gelungene sprachsensible Schulentwicklung sollte idealerweise im Fachunterricht aller Jahrgangsstufen verankert sein, um alle Schülerinnen und Schüler systematisch und nachhaltig in ihrem Sprachbildungsprozess zu begleiten. Dazu ist es notwendig, entsprechende Vereinbarungen im Gesamtkollegium zu treffen, fachspezifisch zu erproben und sukzessiv im schulinternen Curriculum zu implementieren. In diesem Workshop wurde das vielfach erprobte Sprachbildungs-Konzept „DemeK ‒ Deutschlernen in mehrsprachigen Klassen“ der Bezirksregierung Köln vorgestellt.
Der Workshop bot die Gelegenheit in das Konzept hineinzuschnuppern und dabei einige Methoden und Materialien kennenzulernen. Orientierung bot dabei der Dreischritt von der Wortebene (z.B. Artikelsensibilisierung, Wortschatzarbeit) zur Satzebene (z.B. Chunken, die Arbeit mit Satzbausteinen und Schüttelkästen) hin zur Textebene (z.B. Arbeit mit Mustertexten, Generative Textproduktion).
Präsentation zum Workshop (PDF, 7 MB)
5 Rucksack Schule – Familiensprachen sichtbar und erlebbar machen
Jan Boland, Dorothee Kraemer, Svenja Fahrenbach (LaSI NRW)
Durchgängige sprachliche Bildung beginnt in der Familie und wird in der Schule fortgeführt. Rucksack Schule begleitet Kinder und Eltern mit und ohne internationale Familiengeschichte sowie Grundschulen in diesem Prozess. Unterrichtsinhalte werden für Kinder und ihre Eltern in der deutschen Bildungssprache und in den jeweiligen Familiensprachen zeitlich und inhaltlich koordiniert im Sachunterricht, dem Herkunftssprachlichen Unterricht und in programmbezogenen Elterngruppen vermittelt und gezielt gefördert.
In einem kurzen Input erhielten die Teilnehmenden Informationen über das Landesprogramm Rucksack Schule und einen Einblick in die mehrsprachigen Programm-Materialien. Anschließend wurden Unterstützungsmerkmale herausgearbeitet und Chancen und Herausforderungen der Einbindung der gelebten Mehrsprachigkeit in den Unterricht ausgetauscht. Ergänzend wurde den Teilnehmenden am Beispiel des Kalenders der Sprachen eine Möglichkeit aufgezeigt, wie Familiensprachen im Klassenraum sichtbar und erlebbar gemacht und wertgeschätzt werden können.
6 Sprachsensibler Fachunterricht in den Naturwissenschaften
Christina Hartner (Kommission Interkulturelle Bildung QUA-LiS NRW)
In diesem Workshop wurde das Themenheft Naturwissenschaften der QUA-LiS NRW als Basis für die Arbeit und Diskussion vorgestellt. Es beschäftigt sich mit sprachsensiblem Fachunterricht in den Naturwissenschaften. Neben den fachlichen Inhalten liegt hier ein besonderer Fokus auf der Fachsprache, aber auch auf Bildungssprache allgemein.
Die didaktisch-methodische Konzeption sowie ausgewählte Unterrichtsinhalte wurden am Beispiel einer Unterrichtsreihe für den Jahrgang 5/6 zum Thema "Atmung und Blutkreislauf" dargestellt. Die Impulse für den sprachsensiblen Fachunterricht können auch auf andere Jahrgangsstufen und weitere Fächer übertragen werden. Darüber hinaus gab es Raum zum Ausprobieren digitaler Tools, für Überlegungen zur Übertragung auf eigene unterrichtliche Kontexte und zum Austausch über eigene Erfahrungen im sprachsensiblen Fachunterricht.
Präsentation zum Workshop (PDF, 990 KB)
7 Ein Lied und viele Sprachen
Stefan Schwarz (Conrad-von-Soest-Gymnasium Soest), Nicole Perner-Lange (BR Detmold)
Musik kann verbindend wirken und die Mehrsprachigkeit an der Schule hörbar machen. Dies kann auch erfolgen, ohne dass man eine ausgebildete Musikfachkraft sein muss. Anhand bekannter (Kinder-)Melodien wurden in diesem Workshop eigene Texte gestaltet und musikalisch umgesetzt.
8 KI und Mehrsprachigkeit im Unterricht
Anne-Kathrin Pietsch, Jenny Koch (Georg-Büchner-Gymnasium Kaarst)
Der Workshop richtete sich vor allem an Lehrkräfte, die bisher nur wenig Erfahrung mit künstlicher Intelligenz haben. Im Fokus stand dabei die Frage: Welche Chancen und Herausforderungen bietet der Einsatz von künstlicher Intelligenz für die Unterrichtsplanung?
Mehrsprachigkeit und heterogene Deutsch-Kenntnisse erfordern in der Unterrichtsplanung ein hohes Maß an sprachlicher Differenzierung. KI bietet hier Möglichkeiten, die eigene Arbeit zu entlasten, binnendifferenziert arbeiten zu können und durch zielführendes Prompting die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
Im Workshop wurden konkrete Möglichkeiten der Nutzung von KI zur Unterrichtsvorbereitung zunächst vorgestellt und anschließend praktisch umgesetzt.
Präsentation zum Workshop (PDF 1,5 KB)
9 Nicht für die Tonne – Umweltschutz und Müllvermeidung in vielen Sprachen
Dr. Dagmar Missal (QUA-LiS NRW), Victoria Melnarowicz (Kommission HSU, QUA-LiS NRW)
Das Thema Umweltschutz und Müllvermeidung bietet sich für viele Unterrichtskontexte an. Es kann sowohl in der Erstförderung, im Regelunterricht und auch im HSU auf unterschiedlichen Niveaustufen thematisiert werden. In der QUA-LiS NRW wurde hierzu ein Materialpaket entwickelt, das fortlaufend durch weitere Elemente ergänzt wird.
Ausgehend von einem Themenheft, das speziell den Übergang von der Erstförderung in den Regelunterricht in den Blick nimmt, entstand ein Kurs für LOGINEO NRW LMS, der mittlerweile in 12 Sprachen zur Verfügung steht.
Im Workshop wurden die Materialien vorgestellt und es bestand die Möglichkeit, einzelne Elemente zu erproben.
Präsentation zum Workshop (PDF, 986 KB)
10 Sprachliche und fachliche Grundlagen für das Mathematiklernen in der Erstförderung
Dr. Stefanie Jahn (LaSI NRW, BiSS Transfer)
Wie kann man im Rahmen der Erstförderung fachbezogene Sprache vermitteln und Grundlagen für das fachliche Arbeiten im Fach Mathematik in der Sekundarstufe I legen? Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass fachliche Konzepte und Zusammenhänge in der Sekundarstufe an Komplexität zunehmen, sodass für die Vermittlung auch eine zunehmend komplexe Sprache benötigt wird.
Der Workshop stellte ein exemplarisches Unterrichtsvorhaben vor, in dem wichtige Grundlagen für das fachliche Arbeiten gelegt und dazugehörige Sprachmittel auf verschiedenen Sprachniveaus (A1 bis B1) vermittelt werden können. Dabei wurde auch die Vorgehensweise bei der Erstellung des Materials erläutert.
Handout zum Workshop (PDF, 991 KB)
Workshop zum Workshop (PDF, 2 MB)
11 „Allrad-M“: Diagnosetool zur Erfassung rezeptiver sprachlicher Fähigkeiten
Dr. Christoph Gantefort (Mercator Institut, Universität zu Köln)
Im Rahmen des Workshops lernten die Teilnehmenden ein aktuell in der Entwicklung befindliches sprachdiagnostisches Verfahren kennen, welches auf dem Konzept von Translanguaging basiert. „Allrad-M“ steht für „Allgemeine rezeptive sprachliche Fähigkeiten diagnostizieren – Mehrsprachig“ und ist ein kostenfreies onlinebasiertes Diagnosetool, das es ermöglicht, die rezeptiven Sprachfähigkeiten neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I unter Berücksichtigung ihres gesamten sprachlichen Repertoires zu erfassen. Lernende rezipieren untertitelte Hörtexte und können dabei fluide zwischen den Sprachen Deutsch, Ukrainisch, Russisch und Englisch wechseln. Im Nachgang bearbeiten die Lernenden am Kompetenzstufenmodell zum Hörverstehen orientierte Aufgaben zum Verständnis und können auch dabei alle vier genannten Sprachen nutzen. Lehrkräfte können somit das Potenzial mehrsprachiger, neu zugewanderter Lernender identifizieren und erhalten eine Grundlage für die Gestaltung mehr- und einsprachiger Lerngelegenheiten.
Präsentation zum Workshop (PDF 1,5 MB)
12 Vielfältige Ideen und Materialien
Rosella Benati (Arbeitsstelle Migration BR Köln, HSU, ZMI)
In diesem Workshop wurden verschiedene Ideen und Materialien aus Köln (insbesondere der BR Köln und dem ZMI) vorgestellt, die die vielfältigen sprachlichen Ressourcen in unseren Schulen sichtbar machen und würdigen. Durch die Anerkennung der verschiedenen Sprachen für die Identität und das Lernen aller Schülerinnen und Schüler können eine positive Haltung gegenüber Mehrsprachigkeit bei Lehrkräften, Mitarbeitenden in der Schule und im Umfeld der Schule sowie bei den Eltern gefördert werden. Ziel der Arbeit mit diesen Materialien ist außerdem eine aktive Unterstützung von Schulentwicklung.
Präsentation zum Workshop (621 KB)
Abschlusskommentar
Dr. Erkan Gürsoy (Universität Duisburg-Essen)
Begleitmaterial
Biparcours
Während der Tagung wurde ein Biparcours angeboten, der einige Aufgaben zur Mehrsprachigkeit enthält. Für die Dokumentation wurde der Biparcours so abgewandelt, dass er auch in der Schule gespielt werden kann. Dabei muss folgendes beachtet werden:
- Die kostenlose Biparcours-App muss auf einem digitalen Endgerät installiert sein.
- Der unten eingefügte QR-Code muss aus der App heraus eingescannt werden.
- Die Ergebnisse des Parcours kommen bei der QUA-LiS an. Die Quelle kann dabei nicht nachvollzogen werden.
Falls Sie als Lehrkraft die Ergebnisse einsehen möchten, müssen Sie den Parcours aufrufen und können unten auf der ersten Seite unter "Ergebnisse erhalten" Ihre Mail-Adresse einfügen.
QR-Code zum Parcours: